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Kreditkartenbetrug in Deutschland: Das sind die Tricks der Betrüger

Kreditkartenbetrug verhindern
Geschrieben von Ruben W.

PIN ausgespäht, Magnetstreifen kopiert und dann Geld am Automaten abgehoben: Welchen Schaden Bankkunden 2016 durch diese und andere Kreditkartendelikte erlitten und was man selbst zum Schutz tun kann, zeigt dieser Artikel.

Letztes Jahr haben Kriminelle an mehr Automaten in Deutschland Daten von Girocards oder Kreditkarten abgegriffen als 2015. Doch erneut sank der finanzielle Schaden, der Verbrauchern dadurch entstand. Dies belegen Zahlen von Euro Kartensysteme (Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Banken und Sparkassen).


Skimming an 159 Automaten

Laut „Euro Kartensysteme“, wurden im Jahr 2016 in Deutschland 159 Geldautomaten manipuliert. Beim Skimming lesen Kriminelle mit zusätzlich angebrachten Geräten an Geldautomaten die Daten des Magnetstreifens aus. Mit Tastaturauflagen oder Kameras, spionieren sie zudem die Eingabe der Geheimzahl aus. Danach wird die Karte dupliziert und woanders (meist im Ausland) mit der kopierten Karte bezahlt oder Geld abgehoben. Diese Straftaten sind gegenüber 2015 gestiegen. Im Jahr 2015 wurden 118 Fälle registriert.

Berlin ist „Skimming Hauptstadt“

Euro Kartensysteme stellte mit Abstand die größte Zahl der manipulierten Geldautomaten in Berlin fest. Insgesamt 111 Mal waren Geldautomaten in der Bundeshauptstadt betroffen. Das sind fast ¾ aller Fälle in Deutschland. Weit dahinter folgt Hamburg mit 15 Fällen, in den übrigen Bundesländern gab es nur eine einstellige Zahl an Manipulationen.

Geringerer finanzieller Schaden trotz mehrerer Fälle

2016 lag der entstandene Schaden durch diese Manipulationen bei rund 1,8 Millionen Euro und damit etwa 25 Prozent niedriger als im Vorjahr. In den letzten Jahren ist die jährliche Schadenssumme stark gesunken. Im Jahr 2010 betrogen Kriminelle die deutschen Kartenbesitzer noch um mehr als 50 Millionen Euro. Euro Kartensysteme führt für den Rückgang zu einem auf die Einführung von EMV Chips auf den Karten zurück. Zum anderen, gibt es Einschränkungen bei Transaktionen an Geldautomaten ohne EMV-Technologie (was häufig im Ausland anzutreffen ist). EMV Technologie ist ein Standard für mehr Sicherheit

EMV steht für Europay International, Mastercard und Visa. Zusammen haben diese drei Unternehmen aus der Kreditkarten Branche einen technischen Standard definiert, der die auf Kreditkarte und Girocard gespeicherten Daten schützen soll. Darin ist festgelegt, wie Karte, Automaten und Zahlungsterminal miteinander „kommunizieren“. Die Kartendaten lassen sich gegen Kopieren oder Ausspähen sperren. Dieser Standard ist seit sechs Jahren in Europa verpflichtend.

Wo deutsche Urlauber am Automaten betrogen werden

Manipulierte Geldautomaten gibt es natürlich auch im Ausland. Deutsche Karteninhaber waren vergangenes Jahr 232 Mal davon betroffen. In Italien kam es am häufigsten vor, nämlich 47 Mal, an zweiter Stelle mit 29 Fällen steht Großbritannien. Außerdem in Frankreich, der Türkei, Mexiko und Indonesien mit jeweils mehr als 20 Fällen.

Was machen die Betrüger mit den Kreditkarten?

Die Täter setzten die kopierten Karten vor allem in den USA ein. Prozentual gesehen, wird etwas mehr wie jede dritte kopierte Kreditkarte in den Vereinigten Staaten eingesetzt. Schwerpunkt Nummer zwei mit einem Schadensanteil von 28 Prozent war Indonesien.

Was ist eigentlich der „Lebanese Loop“?

Dahinter steckt eine Betrugsmasche die zuletzt eher selten angewandt wurde. Kriminelle lösten eine vermeintliche Störung am Automaten aus. Dabei wurde der Automat so manipuliert, dass die Kreditkarte nicht mehr herauskam. Dann tritt ein Täter hinzu, um den Betroffenen unter dem Vorwand zu helfen. Er bittet, erneut die PIN einzugeben, wobei er die Geheimzahl ausspäht. Wenn dann der Karteninhaber sich nach erfolglosen Versuchen vom Geldautomaten entfernt hat, stiehlt der Täter die Karte aus dem Einzugsschlitz. 37 Karteninhaber wurden auf diese Art und Weise ihre Karte los.

Wo die meisten Karten gestohlen werden

Betrugsfälle gab es natürlich nicht nur im Bereich des Skimmings. Im Jahre 2016 kamen über 12.000 Kreditkarten und Girocards abhanden. In weit über 5.000 Fällen konnten die betroffenen Kartenbesitzer keine Angaben machen wie, wo und wann das geschah. Knapp 1.700 Karten wurden in Geschäften durch Diebstahl entwendet, fast genauso viel bei Diebstählen an anderen Orten. Etwa 700 Karten gingen auf dem Postweg verloren. Weitere 470 Mal stahlen Wohnungseinbrecher Karten.

Immer noch verwahren viele Kreditkarte und PIN zusammen auf

Ein erheblicher Teil der gestohlenen oder verlorenen Karten wird laut Auswertung von Euro Kartensysteme zum Abheben am Geldautomaten eingesetzt. Der Dieb oder Finder benötigt hierfür aber die PIN. Vieles deutet darauf hin, dass trotz aller Warnung viele Karteninhaber immer noch Girocard bzw. Kreditkarte und Geheimzahl an einem Ort aufbewahren.

Der beste Schutz dagegen ist, die PIN auswendig zu lernen. Wer sie dennoch notieren will (oder muss), der sollte sie an einem anderen Ort verwahren, wie die Karte. Auf keinen Fall zusammen im Portemonnaie oder sogar direkt auf die Karte schreiben! Das mag an dieser Stelle zwar unglaublich klingen, kommt aber vergleichsweise häufig vor.

Was tun im Schadensfall?

Im Schadensfall sollte auf jeden Fall die Kreditkarte sofort gesperrt werden. Dies ist zum Beispiel über die kostenfreie Rufnummer +49 116 116 möglich. Auch ein Anruf direkt bei der Bank sollte erfolgen. Glücklicherweise liegt das finanzielle Risiko bei vielen Kreditkarten bei 0 Euro, wenn die Karte gestohlen oder ausgespäht wird. Bei der Barclaycard Visa beispielsweise, haftet der Karteninhaber für Umsätze nach dem Diebstahl oder Verlust nicht mehr. Eventueller Schaden wird von Seiten der Bank ersetzt.