Baufinanzierung

Niedrigzinsniveau – Was die Zinswende für die Baufinanzierung bedeutet

Zinswende und Baufinanzierung
Geschrieben von Oliver S.

Im vergangenen Jahr (2018) sprachen einige Fachleute bereits von einer Zinswende am Kapitalmarkt. Aktuell (April 2019) gibt es jedoch keinerlei Anzeichen dafür, dass sich in näherer Zukunft etwas am Niedrigzinsniveau ändern könnte. Was für Anleger eine schlechte Nachricht ist, freut Kreditsuchende umso mehr. Denn neben den Anlagezinsen sind auch die Darlehenszinsen auf einem sehr geringen Niveau. Trotzdem wird es die Zinswende früher oder später geben und spätestens dann stellt sich zum Beispiel die Frage, was sich dann für eine Baufinanzierung ändern würde?

Aktuelle Situation: Niedrige Zinsen bei vielen Immobiliendarlehen

Bevor wir darauf eingehen, was ich bei einer Immobilienfinanzierung ändern könnte, wenn es eine Zinswende geben sollte, möchten wir noch kurz die aktuelle Zinssituation erläutern. Diese ist gerade im Bereich der Baufinanzierung von sehr günstigen Zinssätzen geprägt. Die Zinsen belaufen sich je nach Zinsfestschreibung aktuell auf folgende Werte:

  • 5 Jahre: ab ca. 0,80 Prozent
  • 10 Jahre: ab ca. 1,10 Prozent
  • 15 Jahre: ab ca. 1,40 Prozent

Wenn Sie also zum Beispiel einen Kredit über 150.000 Euro aufnehmen und sich für eine Zinsbindung von 10 Jahren entscheiden, zahlen Sie pro Jahr im Idealfall nicht mehr als 2.000 Euro an Zinsen. Bei einer Tilgung von beispielsweise vier Prozent würde sich so eine Monatsrate ergeben, die bei lediglich rund 650 Euro liegt. Doch was würde passieren, wenn die Zinswende am Markt eintritt?

Wann tritt eine Zinswende am Markt ein?

Zunächst einmal ist die Frage, unter welchen Voraussetzungen am Markt überhaupt eine Zinswende eintreten könnte. Unabdingbar ist, dass die Konjunktur anspringt und sich ein Wachstum abzeichnet. Hat dieses einen gewissen Grad erreicht, wird die Europäische Zentralbank den EZB-Leitzins anheben, um die Inflation einzugrenzen. Dies ist im Grunde die wesentliche Voraussetzung, damit auch die Banken ihre Anlage- und Kreditzinsen wieder erhöhen, dann natürlich auch die Bauzinsen. Insofern könnte dann eine Zinswende eintreten, was aktuell jedoch eher nicht in Sicht ist.

Zinswende vorausgesetzt: Was passiert dann bei der Baufinanzierung?

Die Auswirkungen einer Zinswende, also der Wechsel von bisher über Jahre fallenden und stabil niedrigen zu höheren Zinsen, hätte unter anderem in der Baufinanzierung eine ganz eindeutige Auswirkung: Die Immobilienfinanzierung wird für den Kunden teurer. Der Grund ist, dass die Banken im Rahmen einer Zinswende auch ihre Bauzinsen anheben werden. Dies gilt natürlich nur für neue Angebote, denn Kreditnehmer, die aktuell ein Baudarlehen nutzen, sind von einer Zinswende nur dann betroffen, falls sie sich für ein variabel verzinsliches Darlehen entschieden hatten. Wer jedoch so klug war, in der Niedrigzinsphase ein Hypothekendarlehen mit Zinsfestschreibung von beispielsweise zehn Jahren abzuschließen, der ist erst einmal nicht von der Zinserhöhung am Markt betroffen. Anders sieht es natürlich zu dem Zeitpunkt aus, an dem die Zinsbindung abläuft und eine Anschlussfinanzierung erfolgen muss.

Spätere Auswirkungen der Zinswende bei der Immobilienfinanzierung

Wie zuvor bereits angeschnitten, müssen die Auswirkungen der Zinswende nicht sofort eintreten, sondern können sich auch erst in Jahren bemerkbar machen. Warum ist das so? Angenommen, Sie haben sich 2012 für ein Immobiliendarlehen mit einer Zinsfestschreibung von zehn Jahren entschieden. Dies führt dazu, dass Sie im Jahre 2022 eine Anschlussfinanzierung benötigen, die dann natürlich zu den 2022 aktuellen Bauzinsen erfolgt. Wenn jedoch beispielsweise 2020 die Zinswende eintritt und die Zinsen deutlich steigen, sind Sie davon zwei Jahre später (2022) betroffen.

Sie müssen dann nämlich vermutlich einen deutlich höheren Bauzins zahlen, als es beim bisherigen Kredit der Fall gewesen ist. Da die Zinsentwicklung oft langfristig ist und über viele Jahre andauern kann, stellt die Zinswende also prinzipiell das Risiko höherer Kosten dar. Im schlimmsten Fall können höhere Bauzinsen – insbesondere gepaart mit weiter steigenden Immobilienpreisen – sogar dazu führen, dass Sie sich vielleicht gar kein eigenes Haus bzw. keine Baufinanzierung mehr leisten können.

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